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26.05.2021

In Moers entstehen Wohnungen für Menschen mit Handicap

NRZ Moers 26.05.21 An der Fuldastraße/Ecke Eupener Straße entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus mit Wohnungen für Menschen mit Handicap. Der Bedarf ist groß.

Allzu oft werden sie übersehen oder vergessen. Auch bei der Suche nach Wohnraum sind Menschen mit Behinderungen immer noch deutlich im Nachteil. Die Wohnungsbau Stadt Moers will das zumindest in Meerbeck ändern. Zurzeit entsteht dort an der Ecke Fuldastraße/Eupener Straße ein Gebäude von gut 1000 Quadratmetern Nutzfläche. Bald sollen hier Menschen mit geistiger Behinderung und Nicht-Behinderte einziehen sowie Büros bezogen werden können. Investitionsvolumen: 3,9 Millionen Euro. Ambulantes betreutes Wohnen, so heißt das Projekt bei den betreuenden Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein.

Für normale Bauherren sei so ein Gebäude wohl kaum zu finanzieren, erklärt Prokurist Jens Kreische von der Wohnungsbau, warum sonst kaum Wohnungen für Behinderte entstehen. „Wir bekommen Mittel vom Land dafür. Dafür sind die Wohnungen nur mit Berechtigungsschein beziehbar.“ Was für private Investoren durch die niedrigen Mieten und steigende Kosten unattraktiv sei. Jedoch habe man als städtische Tochtergesellschaft bei aller Wirtschaftlichkeit auch einen sozialen Auftrag zu erfüllen. „Wir vermieten für 5,80 Euro kalt pro Quadratmeter. Und das bei einer ungewöhnlich hochwertigen Ausstattung“, erläutert Kreische.

Durch die Corona-Zeit sei man am Bau ganz gut gekommen, bestätigt Architekt Frank Reese. Man liege im Zeitplan mit dem Rohbau. Wenn alles gut gehe, könne der Bezug im Oktober starten. Entstehen sollen bis dahin im Erdgeschoss jeweils Drei-, Zwei und Einraumwohnungen mit Küche und Bad, die jedermann mieten kann. „Darunter sind auch zwei rollstuhlgerechte Wohnungen“, sagt Reese. Kreische ergänzt: „Auch dafür gibt es in Meerbeck einen größeren Bedarf.“

Die erste Etage des Neubaus bietet acht Apartments mit Bad und Küche für Menschen mit geistiger Behinderung sowie einen Gemeinschaftsraum mit Küche. Im Staffelgeschoss oben unter dem Dach war ursprünglich Platz für eine Senioren-WG geplant. „Wir sind da noch in Gesprächen, weil es kaum Interessenten für eine solche WG gibt. Es ist wohl besser, weiteren Raum für Menschen mit Handicap zu schaffen“, meint Kreische. Alle Wohnungen haben separate Terrassen oder Balkone, auch ein gemeinschaftlicher Garten entsteht.

Außerdem wird die Wohnungsbau Stadt Moers im neuen Haus ihr Stadtteilbüro für die Meerbecker Einwohner unterbringen. Immerhin unterhält man allein in dem Ortsteil 1300 Wohnungen. Zweimal pro Woche gibt es Sprechstunden. Architekt Frank Reese berichtet, das Projekt habe einen recht langen Vorlauf gehabt. „Das hier ist nicht nur einfach so ein Hausbau.“ Vorgeschichte: Als die Jugendeinrichtung Kaktus der Awo, die zuvor an gleicher Stelle ihr Domizil hatte, zur Römerstraße umzog, sei man von verschiedenen Seiten an die Wohnungsbau herangetreten, bei einem Neubau auch an Behinderte zu denken, erklärt Jens Kreische. So sei die Projekt-Idee herangereift.

Betreut werden die Menschen mit Handicap an der Fuldastraße von den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN). Geschäftsbereichsleiterin Barbara Telgen weiß: „Der Bedarf an Wohnungen ist riesig. Schon etwa 100 Interessenten stehen auf der Warteliste.“ Neue stationäre Einrichtungen wie Heime dürften heute per Gesetz nicht mehr gebaut werden. Daher fehle Wohnraum für Behinderte an allen Ecken und Enden.

Rund um die Uhr sollen die Menschen mit Handicap an der Fuldastraße von den CWWN betreut werden, daher suche man nach Kunden mit ähnlichem Hilfsbedarf, sagt Telgen. „Wir betreuen rund 500 Menschen in unterschiedlichsten Wohnformen zwischen Geldern und Moers. Wir erledigen dabei auch den Haushalt oder Behördengänge, je nach Bedarf. Es gibt aber auch Kunden, die nur einmal pro Woche zwei Stunden Hilfe benötigen und hauptsächlich selbstständig lebenkönnen“, berichtet Telgen. Froh und dankbar sei nicht nur sie, dass die Wohnungsbau Stadt Moers nun für Menschen mit geistiger Behinderung ein neues Zuhause schaffe.

Die Wohnungsbau Stadt Moers GmbH unterhält etwa 3000 Wohnungen in der Grafenstadt. Darüber hinaus kaufte sie den Moerser Bahnhof und sanierte ihn, sie baute die Feuerwache Mitte-Asberg, sie kaufte das Gebäude und Gelände für das Bollwerk 107als Jugendkultureinrichtung. Auch das Alte Landratsamt sanierte die Wohnungsbau. Über ihre Tochtergesellschaft Prosa sanierte sie in zehn Jahren für über 60 Millionen Euro Moerser Schulen.

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